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Weniger ist meistens mehr

Auf den Aschermittwoch folgt die Fastenzeit. Dies wird allgemein als eine schlechte Nachricht wahrgenommen, da nach den Freuden der letzten Tage nun eine lange Zeit des Darbens droht. Meist ist man froh, dass derlei Sitten mit der Neuausrichtung unserer Gesellschaft und der Abkehr von religiösen Riten in den Hintergrund getreten sind. Könnte jedoch hinter den Ritualen unserer Vorfahren mehr stecken als man vermutet?

Schon lange ist bekannt, dass es ein etabliertes, aber auch nur ein bewiesenes Konzept zur Lebensverlängerung gibt, nämlich die Kalorienrestriktion, also die Einschränkung der Kalorienzufuhr. Die moderne Wissenschaft kann uns mittlerweile erklären, warum dies so ist. Die Entscheidung fällt innerhalb der DNA, dem menschlichen Erbgut, und zwar innerhalb der DNA des Drüsengewebes. Dort bildete sich in Urzeiten eine Art Überlebensgen, das sog. SIRT1-Gen. Dieses steuert die Beseitigung beschädigter Zellen und die Neubildung von Drüsengewebe. Damit schützte dieses Gen die Zellen unserer Vorfahren vor Entzündungsprozessen und Oxidation in Hungerszeiten, in denen die Gesundheit der Zellen besonders bedroht war. Auch wir besitzen noch das SIRT1-Gen oder das verwandte Sir2-Gen, doch diese sind meist, wen überrascht es, inaktiv. In Tierversuchen ist jedoch gezeigt worden, dass dieser uralte Überlebensmechanismus weiter funktioniert: Durch eine dramatische Einschränkung der Kalorienzufuhr konnte bei Labortieren die Lebensspanne um bis zu 40 % ausgedehnt werden. Insofern erkennen wir mittlerweile die Weisheit in den Fastenritualen, die sich in so vielen Kulturen entwickelt haben.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse überraschen jedoch umso mehr. An der Thomas Jefferson University in Pennsylvania, USA, hat man aus dem Zellgewebe von männlichen Mäusen das SIRT1-Gen entfernt. Die Folgen waren überraschend. Es kam zu einer Abnahme des natürlichen Abbaus kranker Zellen und zu einer starken Neubildung von Zellen aus der Vorstufe des Prostatakrebses. Es fällt also dem SIRT1-Gen eine besondere Rolle in der Verhinderung oder Entwicklung zumindest dieses Krebses zu. Zu Recht wird deshalb ein höheres Krebsrisiko bei fehlender SIRT1-Aktivierung vermutet. Also fasten wie die alten Mönche verlängert nicht nur das Leben, sondern hilft auch, es gesund zu genießen.

Nun wissen wir, dass die Mönche nicht nur gefastet haben. Sie haben durchaus auch gefeiert und sind vielfach als Erzeuger und Abnehmer von Rotwein bekannt. Und auch da hilft die moderne Wissenschaft weiter. Die Resveratrol-Moleküle aus dem Rotwein entfalten ebenfalls einen gesundheitsfördernden Effekt. Resveratrol besitzt hervorragende antientzündliche und antioxidative Eigenschaften, die zur Gesundheit beitragen. Allerdings hat dieses Konzept auch Haken. Alkohol ist eine problematische Substanz. Die Untersuchungen zeigen eindeutig, dass der Genuss eines Glases Rotwein von maximal 0,2 Liter am Tag gesundheitsfördernd ist. Wird die Menge darüber hinaus gesteigert, dann schlagen jedoch die Nachteile durch den Alkohol durch und der Vorteil des Resveratrols geht verloren. Insofern zeigt sich auch hier: Maß halten ist von entscheidender Bedeutung. Dabei ist das Abhängigkeitsrisiko durch Alkohol in besonderem Ausmaß zu berücksichtigen. Hier schützt auch kein Resveratrol.

 



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